Thomas Müller: Eine Frage des Systems

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Es ist der Winter-Streitfall beim FC Bayern: Wo soll Thomas Müller künftig spielen? Dem Weltmeister droht durch das Luxus-Angebot in der Offensive beim Rekordmeister eine Statistenrolle. Dabei kann es für Müller nur eine Position geben…

Geht es nach Weltmeister Lothar Matthäus, so ist „in der Rückründe für Thomas Müller kein Platz mehr in der Startelf des FC Bayern“. Diese Meinung, jüngst in seiner Sport Bild-Kolumne vertreten, dürfte die Bayern-Legende allerdings ziemlich exklusiv haben.

Matthäus‘ einstiger Weltmeisterkollege Thomas Berthold kann mit Blick auf die aufgemachte Diskussion nur den Kopf schütteln. „Ich verstehe die ganze Aufregung um Thomas Müller nicht“, so der frühere Bayern-Profi in einer Einschätzung im Kicker (aktuelle Ausgabe), „sollte sich Carlo Ancelotti jetzt entscheiden, dem Nationalspieler die eine oder andere Pause zu gönnen, muss das nicht zu dessen Nachteil sein.“

Bei der EURO wirkte Müller ausgepowert

Richtig. Denn weder für die Bayern noch für den nach der EURO im Sommer überspielt wirkenden Müller wirkte es sich gegen RB Leipzig (3:0) im letzten Spiel 2016 negativ aus, dass der Publikumsliebling ohne Einsatz im Kader stand. Im in dieser richtungweisenden Partie praktizierten 4-2-3-1 musste Müller für Thiago auf der Bank Platz nehmen. Die überragende Leistung des Spaniers bestätigte Ancelottis riskante Entscheidung. Arjen Robben und Douglas Costa übernahmen die Halbpositionen und der in der Spitze gesetzte Robert Lewandowski glänzte in der Mittelstürmerposition.

„Thomas Müller ist ein sehr intelligenter Spieler, er kann die richtige Position finden. Er hat in der Hinrunde viel gespielt und wird in der Rückrunde viel spielen“, verklausulierte Carlo Ancelotti im Bayern-Trainingslager in Doha (Katar) seine Entscheidung in der Müller-Causa.

Wo „müllert“ es am häufigsten?

Die Frage ist nur: Wo wird man Müller ab der kommenden Woche sehen, wenn die Bayern am 17. Spieltag nach Freiburg (Freitag, 20.30 Uhr) reisen? Der Blick auf die Müller-Zahlen in seinen 22 Pflichtspiel-Auftritten 2016/2017 zeigt: Im von Ancelotti lange bevorzugten 4-3-3-System kam der Offensiv-Allrounder 12-mal (in der Startelf) über die rechte Angriffsseite – und erzielte dabei in der Champions League 2 Tore. Als Halbstürmer lief Müller in der Liga 3 Mal auf und markierte gegen Wolfsburg (5:0) sein bislang einziges Saisontor in der BL.

„Mister Vielseitig“ unter Pep Guardiola

Ganz anders Müllers Leistungsdaten unter Ex-Coach Pep Guardiola. Der Spanier beorderte ihn 52 Mal in die zentrale Mittelfeldposition – und Müller zahlte mit 30 Treffern und 19 Assists zurück. Auf der rechten Halbposition brachte es Thomas Müller auf 23 Tore und 12 Vorlagen, in der Spitze markierte er bei 32 Auftritten 23 Tore – ein Beleg für seine Vielseitigkeit. 2,6 Punkte holten die Bayern mit Müller im zentralen Mittelfeld im Schnitt, spielte er auf der rechten Seite, waren es „nur“ 2,4.

Ergo: Müller ist stark, aber überragend ist er hinter den Spitzen! Und genau dort wünschen ihn sich auch die Kollegen. „Für Thomas ist es besser, wenn er hinter mir spielen kann, auch, um diesen freien Raum zu suchen“, hat Robert Lewandowski eine klare Meinung in der Müller-Debatte. Der Vieldiskutierte selbst sieht sich ebenfalls in dieser Rolle. „Auf der Position hinter den Spitzen habe ich ein besseres Gefühl gehabt und eine bessere Leistung abgeliefert, als in den anderen Spielen“, bilanziert er im Kicker.

Eben! Als Mittelstürmer blieb der CL-Sieger von 2013 beispielsweise beim 2:2 in Frankfurt (7. Spieltag) über 90 Minuten wirkungslos. Xabi Alonso, der sich Müller „abhängig vom Spiel in der Stürmerrolle“ wünscht, liegt falsch.

Müller und Lewandowski
Autor

Carsten studierte in Trier Anglistik, Germanistik und Medienwissenschaft. Neben seiner Tätigkeit als freier Sportjournalist für bwin News schreibt der Wahl-Hamburger seit 2005 für SPORT BILD und seit 2013 für Transfermarkt.de beziehungsweise WahreTabelle.de.

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