Roger und andere Brasilianer: Wenn die Heimat ruft

Der FC Ingolstadt muss sich ab Sommer einen neuen Mittelfeld-Abräumer suchen. Roger, der in dieser Spielzeit in allen 16 Bundesligaspielen für die Schanzer zum Einsatz kam, zieht es zurück nach Brasilien. Damit geht der 31-Jährige den Weg, den viele seiner Landsmänner wählen: Die Karriere in der Heimat ausklingen lassen. Nur selten beenden die Brasilianer ihre Laufbahnen in Europa.

 Seit 2008 verdient der defensive Mittelfeldspieler sein Geld in Deutschland, nun zieht es ihn zurück nach Südamerika.

„Die Entscheidung fiel mir schwer, aber es wird Zeit, nach 8 Jahren in Deutschland nach Hause zu gehen. Es ist allen voran eine Entscheidung für die Familie, die meine Frau und ich getroffen haben.“

Roger schnürte seine Schuhe in der 1. und 2. Bundesliga für Energie Cottbus (68 Pflichtspiele) und den FC Ingolstadt (bisher 139 Pflichtspiele). Für den neuen Trainer, Maik Walpurgis, ist der 31-Jährige eine wichtige Komponente im Abstiegskampf, weshalb ein Transfer im Winter aus Sicht der FCI-Verantwortlichen kein Thema war. Da Rogers Vertrag im Sommer ausläuft, verzichten die Schanzer somit auf eine Ablösesumme. Sportdirektor Thomas Linke sagte dazu:

„Wir haben uns im Gespräch mit ihm dafür entschieden, dass er die Saison mit dem FC Ingolstadt zu Ende spielt, weil die Wahrscheinlichkeit, die Klasse mit Roger zu halten, größer ist, als ohne ihn. Er wird sich hier bis zum Ende reinhauen.“

Als zukünftiger Verein wird Atletico Mineiro aus Belo Horizonte gehandelt. Roger folgt damit einen typischen Weg vieler Brasilianer, die den Großteil  ihrer Karriere in Europa verbringen und zum Ende der Laufbahn wieder zurück in ihre Heimat wechseln. Nicht umsonst tummeln sich viele Altstars in der brasilianischen Serie A.

Aus einer Top-Liga in Europa im Karriere-Herbst/Winter zurück nach Brasilien – auch diese Spieler wählten diesen Weg:

Ronaldo: Der 3-malige Weltfußballer wechselte im Alter von 32 Jahren nach Stationen beim PSV Eindhoven, FC Barcelona, Inter Mailand, Real Madrid und AC Mailand 2009 zurück in die Heimat. Bei Corinthians Sao Paulo beendete er 2011 seine große Karriere.

Emerson: Der frühere Leverkusener spielte in Europa noch für den AS Rom, Juventus Turin, Real Madrid und den AC Mailand. Mit 33 Jahren ging es zurück nach Brasilien zum FC Santos.

Zé Roberto: Mit 42 Jahren ist der Dauerbrenner immer noch für Palmeiras Sao Paulo am Ball. Im nächsten Jahr ist nach eigener Ankündigung aber definitiv Schluss. 2012 zog es ihn mit 38 Jahren nach Stationen in Europa (Real Madrid, Leverkusen, FC Bayern, HSV) und Katar (al-Gharafa SC) zurück in die Heimat.

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Tinga (l.) und Dede spielten zusammen für den BVB.

Juan: Für Leverkusen und den AS Rom hielt der Verteidiger zwischen Juli 2007 und Dezember 2015 in Europa die Knochen hin. Dann zog es ihn im Alter von 36 Jahren nach Brasilien zu Flamengo.

Tinga: Das Arbeitstier im Mittelfeld spielte in Europa für Sporting Lissabon und Borussia Dortmund. Nach insgesamt 5 Jahren ging es im Juli 2010 mit 31 Jahren zurück in die Sonne zu Internacional Porto Alegre.

Giovane Elber: Zum Abschluss seiner Laufbahn wechselte Elber 2006 im Alter von 33 Jahren zu Cruzeiro Belo Horizonte. Vorher war er in Europa für die Grasshoppers Zürich, den VfB Stuttgart, Bayern München, Olympique Lyon und Mönchengladbach aktiv.

Die Brasilianer gelten als sehr heimatverbunden. Zwar wechseln auch andere Legionäre zum Ende ihrer Karrieren wieder in ihre Heimatländer zurück, aber bei den Brasilianern ist das übermäßig häufig der Fall. Fernab von Sonne, Samba und Zuckerhut fühlen sich viele Brasilianer nicht heimisch. Doch es gibt natürlich auch Ausnahmen. Spieler wie Dede, Cafu, Mauro Silva und Aldair verbrachten ihre Karrieren fast ausschließlich in Europa und hängten die Schuhe auch hier an den Nagel.

Autor

André studierte Sportmanagement und Sportjournalismus. Im Anschluss arbeitete er in den Kommunikationsabteilungen von Arminia Bielefeld und dem Regionalligisten SV Rödinghausen. In Europas Top-Ligen ist André ebenso zu Hause wie im US-Sport, insbesondere der NFL.

Bwin