Die XXL-WM 2026: Diese Teams würden profitieren

Es ist amtlich: Die FIFA hat die umstrittene Erweiterung der Fußball-WM auf 48 Teilnehmer ab 2026 beschlossen. Damit will der angeschlagene Fußball-Weltverband vor allem die kleinen Nationen belohnen.

Den 10. Januar 2017 werden Fußballfans in aller Welt für immer als den Tag in Erinnerung behalten, an dem die FIFA die Ausweitung der WM auf 48 Teilnehmer beschloss.

Seit 1982: Immer mehr WM-Teilnehmer

Damit ist klar: Die umstrittene Wüsten-WM 2022 in Katar wird zum letzten Mal ein Turnier mit 32 Teams sehen. Diese Aufstockung war 1998 in Frankreich in Kraft getreten. Bis dahin hatte der Fußball-Weltverband – verbunden mit Änderungen im Modus – immer wieder an der Teilnehmerzahl geschraubt: Waren es vom „Wunder von Bern“ 1954 bis einschließlich 1978 noch 16 Länder, die um die größte Fußballtrophäe der Welt rangelten, so mischten in Spanien 1982 schon 24 Nationen mit, darunter Deutschland-Schreck Algerien oder Kuwait.

Wer soll die Riesen-WM eigentlich ausrichten?

Gewiss, bis 2026 bleibt viel Zeit, um Antworten zu der am Dienstag in Zürich beschlossenen Reform zu liefern. Erster Meilenstein: Im Mai 2020 wird der Gastgeber für die XXL-WM ermittelt. Der (in jedem Fall nicht-europäische) Ausrichter in spe – Interessenten sind u. a. Australien, China, Mexiko sowie Kasachstan – steht vor einer logistischen Herkulesaufgabe. 48 Teamquartiere müssen her und genügend Stadien, um 5 Wochen Fußball und 80 statt bisher 64 WM-Spiele bewältigen zu können.

Bei der Vergabe der Startplätze zur „Bläh-WM“ (BILD am SONNTAG) will die FIFA vor allem die Kontinentalverbände Afrikas, Asiens und Ozeaniens bevorzugen, zumal der im Februar 2016 neu gewählte FIFA-Präsident Gianni Infantino eben bewusst bei den „kleinen“ Ländern auf Stimmenfang ging – und nun entsprechend im Wort steht.

Usbekistan bei der WM? Nichts scheint mehr unmöglich!

Bekämen etwa die Asiaten mindestens 1 Startplatz mehr, so wären Saudi-Arabien (aktuell 1. in der Asien-Gruppe B), 2002 und 2006 jeweils Gruppenletzter, und der Iran (1. In Gruppe A) sowie die Verfolger Japan und Südkorea, WM-Gastgeber von 2002, sicher dabei. Fußballzwerg Usbekistan, die zuletzt 3-mal in Folge qualifizierten Socceroos aus Australien und die Vereinigten Arabischen Emirate, 1990 Gruppengegner der deutschen Mannschaft, würden um den 3. Platz kämpfen.

Uganda, Kongo – Afrikas Teams aus der 3. Reihe wittern WM-Luft

In Afrika würden sich die WM-Chancen für Länder wie Guinea – in Gruppe A noch ohne Punkt hinter der DR Kongo und Tunesien – Uganda oder Sambia schlagartig erhöhen. Auch Afrika-Rekordmeister Ägypten (7 Titel), zuletzt 1990 bei der WM dabei, wäre mit von der Partie.

Der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF ermittelt aus 6 Teams 3 direkte WM-Teilnehmer, der 4. in dieser Gruppe, derzeit in den Playoffs, würde wohl ebenfalls reinrutschen. Das dürfte die unter den letzten 6 stehenden Außenseiter Panama und Trinidad & Tobago (WM-Premiere 2006 in Deutschland) freuen…

Bizarr: Bei 48 Teams dürfte selbst Neukaledonien von der WM träumen!

Kurios würde die Konstellation – Stand heute – in Ozeanien anmuten. Die All Whites aus Neuseeland, die 2010 in Südafrika vor Titelverteidiger Italien landeten, stünden gemeinsam mit Neukaledonien, seines Zeichens 1980 Gastgeber der 1. Ozeanien-Meisterschaft der Herren, als 168. der FIFA-Weltrangliste möglicherweise im 48er-Feld.

Spielereien, die bei Wettfreunden gut ankommen mögen – nicht aber bei den Kommentatoren und Protagonisten. „Es wird Spiele geben, die keine Werbung für den Fußball sind – sondern unter dem Motto „Entwicklungshilfe“ stehen“, befürchtete Funke-Sportchef Pit Gottschalk schon im Vorfeld des FIFA-Votums. „Das Rad darf nicht durch zu viele Spiele überdreht werden“, hatte Bundestrainer Joachim Löw im Vorfeld der FIFA-Abstimmung gemahnt, „die sportliche Qualität darf nicht leiden.“ Zu spät.

Exotik pur: Weltmeister Frankreich gastierte 2008 in Neukaledonien.

Exotik pur: Weltmeister Frankreich gastierte 2008 in Neukaledonien.

Autor

Carsten studierte in Trier Anglistik, Germanistik und Medienwissenschaft. Neben seiner Tätigkeit als freier Sportjournalist für bwin News schreibt der Wahl-Hamburger seit 2005 für SPORT BILD und seit 2013 für Transfermarkt.de beziehungsweise WahreTabelle.de.

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