Bundesliga: Starlieferant Ligue 1

Im europäischen Ranking der Top-Ligen nimmt die französische Ligue 1 keine echte Spitzenposition ein. Mit Paris St. Germain hat nur ein Team reele Chancen auf den Champions League-Titel. Klubs wie Olympique Lyon, Olympique Marseille oder der AS Monaco kommen meist nicht über die Gruppenphase oder das Achtelfinale hinaus. Allerdings nimmt die Ligue 1 innerhalb des europäischen Spielermarktes eine wichtige Position ein. Aus Frankreich wechseln jährlich zahlreiche Talente und Stars ins Ausland – auch in die Bundesliga.

Als wirklicher Konkurrent wurde die französische Ligue 1 in Deutschland bislang nie wahrgenommen. Top-Spieler der Bundesliga zieht es eigentlich so gut wie nie ins Nachbarland. Einzige Ausnahme der letzten Jahre: Kevin Trapp. Er wechselte von Eintracht Frankfurt nach Paris.

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Andersherum funktioniert der Austausch da schon deutlich besser. In diesem Jahrtausend wechselten insgesamt 53 Profis aus Frankreich in die Bundesliga. Bisheriger Höhepunkt waren die 10 Neuzugänge im Sommer 2007. Darunter auch der bisherige Rekordtransfer Franck Riberys von Marseille zum FC Bayern. Der damals 24-Jährige kostete rund € 25 Mio. Ablöse. Nachdem 2006 bereits 5 Akteure in Bundesliga wechselten, fand der kurzfristige „Frankreich-Boom“ anschließend jedoch ein Ende. Einzige Ausnahme war die BVB-Verpflichtung von Pierre-Emerick Aubameyang für € 13 Mio. von der AS Saint-Etienne im Jahr 2013.

Boom in 2016

Doch das änderte sich in diesem Sommer. Borussia Dortmund bedient sich wieder einmal ausgiebig im Gastgeberland der EM 2016. Mit Ousmane Dembele (für € 15 Mio. von Stade Rennes) und Raphael Guerreiro (für € 12 Mio. vom FC Lorient) kommen 2 europäische Top-Talente aus Frankreich nach Deutschland. Schlagen beide genauso wie ihr Vorgänger Aubameyang (54 Liga-Tore) ein, dürfen sich die BVB-Fans auf schöne Jahre freuen.

Sagnol war der erste teure Glücksgriff

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Sagnol (l.) und sein Landsmann Bixente Lizarazu (r.) nach dem Gewinn des DFB-Pokals 2006

Der erste teure Frankreich-Transfer der „Neuzeit“ war im Jahr 2000 Willy Sagnol. Der Rechtsverteidiger kam für € 7,7 Mio. vom AS Monaco und blieb 9 Jahre in München. In dieser Zeit gewann der Franzose alle erdenklichen Titel mit den Bayern: Champions League, Weltpokal, Meisterschaft, DFB-Pokal und den Ligapokal. Mit 277 Pflichtspielen war Sagnol einer der größten Coups des deutschen Rekordmeisters in der jüngeren Vereinsgeschichte.

Andererseits gab es auch einige Spieler, die deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. In diese Kategorie fallen vor allem Victor Ikpeba (Borussia Dortmund) und Karim Ziani (VfL Wolfsburg). Als Weltstar beim BVB angekündigt, kam der Nigerianer später nicht über die Rolle des beleidigten Edel-Jokers hinaus. Schlechte körperliche Verfassung zum Saisonstart, öffentliche Kritik an Trainer Michael Skibbe, Handgreiflichkeiten mit Mitspieler – Ikpeba wurde in Dortmund einfach nicht glücklich. Seine einzige Sternstunde hatte er im Oktober 1999 als er Hansa Rostock (3:0) mit einem Doppelpack im Alleingang abschoss.

Premier League profitiert enorm

Aber nicht nur für die Bundesliga ist die Ligue 1 eine Ausbildungsliga. Vor allem die englische Premier League kauft zahlreiche Top-Spieler in Frankreich ein. Für insgesamt 335 Kicker wanderten € 1,23 Mrd. über den Ärmelkanal. Keine andere Liga ließ mehr Geld für Spieler in Paris, Lille & Co. Der französisch-englische Spitzentransfer ist noch gar nicht so lange her. Erst im vergangenen Sommer ging Anthony Martial für € 50 Mio. vom AS Monaco zu Manchester United. Diese Summe kann je nach Entwicklung der Karriere noch einmal deutlich steigen. Die erfolgsabhängigen Bonuszahlungen könnten im Optimalfall noch einmal € 30 Mio. in Vereinskasse der Monegassen spülen. Ein Klub, der sich besonders gerne in Frankreich bedient, ist der FC Chelsea. 5 der 10 teuersten Transfers (Eden Hazard, Michy Batshuayi, Didier Drogba, Mikael Essien und Florent Malouda) in die Premier League gingen auf das Konto der Blues.

Autor

Carsten war nach seinem Sportjournalismus-Studium für die Presseabteilung des MSV Duisburg tätig und sammelte anschließend weitere Erfahrungen in einer Sport-Medien-Agentur. In der Bundesliga fühlt er sich ebenso heimisch wie in England - und auch die NFL ist kein Neuland für ihn.

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